Außer den Erkenntnissen über die hormonellen Ungleichgewichte während der Schwangerschaft und deren Resultate gibt es noch eine lange Reihe von Tatsachen, die beweisen, dass die Sexualität von Säugetieren, insbesondere die des Menschen, vor der Geburt und nicht später durch die Gesellschaft geprägt wird. Einer der schwerwiegendsten Nachweise ist der geschlechtsspezifische Verlauf der Ausschüttung von Sexualhormonen bei Erwachsenen. Es wird niemand ernsthaft behaupten, dass die relativ kontinuierliche Ausschüttung von Sexualhormonen bei Männern und die zyklische bei Frauen auf eine Prägung durch die Gesellschaft oder einen selbstgewählten Lebensentwurf zurückzuführen sind. Zuerst in Tierversuchen festgestellt reagierten in unabhängig voneinander durchgeführten Untersuchungen ca. 70 % homosexueller Männer, jedoch keine heterosexuellen auf eine Östrogengabe mit einer für Frauen typischen erhöhten Ausschüttung des Luteinisierenden Hormons, während bei homo- und transsexuellen Frauen deutlich gehäuft keine oder sehr verzögerte Sexualhormonzyklen gefunden wurden. Da - wie schon beschrieben - die Ausschüttung der Sexualhormone vom Hypothalamus gesteuert wird, waren diejenigen, die die Tragweite dieser Untersuchungsergebnisse begriffen, gezwungen, davon auszugehen, dass das Gehirn, speziell der Hypothalamus bei homosexuellen Männern zumindest teilweise konträr zum körperlichen Geschlecht geprägt ist. Diese Befunde waren zur Zeit ihrer Ermittlung sensationell und bewirkten ein Umdenken auf dem Gebiet der sexuologischen Forschung, denn nicht nur in breiten Kreisen der Normalbevölkerung, sondern selbst in den sexuologisch forschenden oder praktizierenden Zünften der Medizin dominierte die Vorstellung, dass Homosexualität so etwas wie eine durch Medikamente oder psychiatrische Behandlung heilbare Krankheit wäre. Darüber hinaus wurde seltsamerweise fast nur die Ausübung der männlichen Homosexualität mit wenigen Ausnahmen in fast allen Ländern der Welt als eine strafbare Handlung angesehen. Die in den darauf folgenden Jahren gesammelten Erkenntnisse zeigten immer deutlicher, dass die geschlechtliche Differenzierung des Gehirns weitestgehend während der Schwangerschaft, insbesondere in den mittleren drei Monaten erfolgt, die man als zweites Trimester bezeichnet. Wesentlichen Anteil daran hatte die Erforschung der in diesem Intervall durch die Nebennierenrinden des Fötus erzeugten und durch die Umwelt beeinflussbaren hormonellen Verhältnisse. Weitere Beispiele für den Nachweis der vorgeburtlichen Prägung der Sexualität, speziell der des Menschen, hier aufzuführen, würde den beabsichtigten Rahmen dieser Schrift sprengen. Jedoch soll an dieser Stelle festgehalten werden, dass die immer noch ganz besonders in Deutschland in bestimmten politischen Kreisen verkündete genderideologische Idee von der sozialen Prägung von Geschlechtsidentität und Geschlechtsrollenverhalten, die ja streng an die sexuelle Differenzierung des Gehirns gebunden sind, einen Rückschritt in der Bewusstseinsbildung darüber bedeuten, dass Homo- und Transsexualität keine ansteckenden Krankheiten und schon gar keine kriminellen Vergehen sind.
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